Verehrter Kunstfreund
Verkauf und Kauf eines Kunstgegenstandes setzen bekanntlich Wissen um die wesentlichen Dinge voraus, das kritische Verständnis, um Wertvolles vom minderen oder gar der billigen Nachahmung unterscheiden zu können. Dieses Wissen steigert die Freude am Individuellen Besitz eines Stückes und schlägt Brücke zu großen kunstgeschichtlichen Vorbildern eben dieses Gegenstandes.
Die echte Holzschnitzfigur schafft Atmosphäre im Wohn- und Lebensbereich, sie ist Ausdruck kultivierten Anspruchs.
Wenn uns dieser kleine "Schnitzschule" ein wenig dazu beiträgt, Ihnen die Welt der echten Holzschnitzkunst in ihrer großen Vielfalt näherzubringen, so freuen wir uns.
Die Kunst des
Schnitzens
Schon früh befasste sich der Mensch neben rein zeichnerischen Darstellungen mit der Kunst des Reliefs und der Schnitzerei.
So brachten zum Beispiel die prähistorischen Funde, wie Altamira oder aber Pair-non-Pair, die auf rund 15.000 Jahren zurückdatiert werden, neben den bekannten Malereien auch Gravierungen, Reliefs und Rundplastiken zutage.
Die Kunst der Schnitzerei ist seit jeher eines der besonderen
und bevorzugten Mittel des Menschen, sein Empfinden und seine gestalterische
Kraft zum Ausdruck zu bringen. Holz spielt dabei schon immer eine bedeutende
Rolle.
Holz ist Vielfalt - auf die Auswahl kommt es an
Jahrtausende, die angefüllt sind mit Erfahrungen im Umgang mit Holz und seiner Verarbeitung im künstlerischen Bereich. So entwickelte sich im Lauf ungezählter Generationen ein Erfahrungsschatz, der, bezogen auf den Bereich der Holzschnitzkunst, eindeutig besagt: " Holz ist nicht gleich Holz ". Denn, Holz lebt. Und dies ist eine Tatsache, die der Künstler, neben vielen anderen Aspekten, wie z.B. die Beschaffenheit des Holzes, in jedem Fall immer wieder besonders beachten muß.Setzt der Holzbildhauer, neben dem künstlerischen Anspruch auch
die Beständigkeit seines Werkes als Maßstab, so kommen, berücksichtigt man alle
spezifischen Faktoren des Materials, nur wenige Hölzer als Werkstoff in
Betracht. So werden traditionsgemäß für eine wertvolle Schnitzerei nur mit
Sorgfalt ausgesuchte und über lange Zeit hindurch gelagerte Hölzer verwendet.
Sie bestimmen entscheiden den Wert des Werkes.
Welche Holzsorten sind nun geeignet:
Die Anforderungen, die der Holzbildhauer an das Holz stellen muss sind:Für den Holzbildhauer kommen nur wenige Hölzer besonders in Betracht. Die wichtigsten davon mögen hier noch einer kurzen Beschreibung gewürdigt werden. Die Reihenfolge ist nach der Größe der Bedeutung für den Bildschnitzer gewählt.
Das
Lindenholz
Man unterscheidet das Holz nach
Sommerlinde und das der Winter- oder Steinlinde. Das Holz ist weiß, mit einem
Stich ins Graue oder Rötliche. Es hat ein sehr gleichmäßiges, feines Gefüge. Die
Jahresringe und Spiegel sind fein und nicht leicht zu erkennen. Es ist sehr
weich, läßt sich gut nach allen Richtungen bearbeiten, ist dem Werfen nicht
unterworfen, wird aber vom Wurm leicht angegriffen. Die Trocknung steht es gut
durch.
Das Holz der Winterlinde ist großartiger, fester, zäher und
dunkler in der Farbe.
Das Nußbaumholz
Farbe: dunkelbraun,
rotbraun, gelbbraun, meistens geflammt, am Stamm und an den Ästen schön
gemasert.
Junges Holz ist heller, auch weicher als altes. Seine eigentümlichen Poren, die lang, wie feine Rißchen sind, lassen es leicht unterscheiden. Der Spiegel ist unbemerkbar. Es ist fest, läßt sich aber sehr leicht und schön bearbeiten, sowie beizen und polieren.
Das Eichenholz
Sommer - und Winterreiche. Farbe im allgemeinen gelbbräunlich. Es ist
sehr zäh, fest, hat grobe Poren und eigentümlich große braune Spiegel. Es läßt
sich leicht spalten, wirft sich aber auch gern. Dauerhaftigkeit, Härte und
Widerstandsfähigkeit gegen Nässe machen es sehr geschätzt. Das Holz der
Wintereiche ist brüchiger, dunkler, härter, weniger leicht
spaltbar.
Das Birnbaumholz
Farbe hübsch rötlichgelb, auch rötlichbraun. Das Holz der jungen Bäume
ist beinahe weiß. Gefüge gleichförmig und fein. Härte ziemlich groß. Es läßt
sich aber leicht arbeiten. Die Jahresringe sind wenig bemerkbar und die Spiegel
klein. Das Holz des wilden Birnbaumes ist heller, fester und dauerhafter, als
das der Gartenbäume. Beide lassen sich schön färben und polieren.
Das
Ahornholz
Farbe schön weiß, zuweilen auch
gelblich bis bräunlich. Gefüge: Dicht und gleichmäßig. Viele kleine und
bräunliche Spiegel, wenig auffallende Jahresringe. Es ist sehr fest, spröde und
hart, es läßt sich sehr gut bearbeiten und nimmt eine schöne Politur an. Im
Trocknen steht es gut, bei abwechselnder Trockenheit und Feuchtigkeit wirft es
sich aber leicht.
Das Erlenholz
Farbe: weißgelb und gelbrötlich, manchmal ins Braune fallend. Wenig
hervortretende Jahresringe. Braune große Spiegel. Gleichförmig dichtes Gefüge.
Mittelmäßige Härte.
Das
Tannenholz
Das weißeste, weichste und am
wenigsten harzreiche unter den Nadelhölzern. Lang- und geradfaserig. Leicht und
schön spaltbar. Jahresringe grob und auf dem Schnitt rötlich.
Das
Kirschbaumholz
Farbe gelblich bis ins
Bräunliche und Rötliche, öfters dunkel gestreift und geflammt. Mittelmäßige
Härte. Feines und dichtes Gefügte. Sehr dauerhaft
Unbestritten ist insbesonders für wertvolle Schnitzarbeiten Lindenholz am besten geeignet. Allerdings, auch hier die Auslese wiederum besonders streng getroffen, und schon hier, beim Schlagen des Holzes, spielt die Erfahrung der überlieferten Tradition eine sehr entscheidende, qualitative Rolle.
So wird, um nur ein Beispiel zu nennen, Lindenholz nur in den
"Raunächten", also Mitte Dezember bis Mitte Januar geschlagen und erst im
Frühjahr zu Säge gebracht. Ein "Ritual, das den modernen Menschen wie ein
Aberglaube anmutet, aber für die Pflege des Holzes und den späteren Bestand des
geschnitzten Kunstwerkes von größter Wichtigkeit ist.
Lagern und Holzpflege ...
Bestimmen den späteren Wert. Neben der künstlerischen Aussage bestimmt das verwendete Material, wie wir schon gehört haben, den Wert des Stückes. Und der Wert des Materials wiederum wird ganz entscheidend durch die richtige Lagerung und Pflege des Holzes beeinflußt. Holz und Wein haben hier viel gemeinsames: Denn wie ein guter Wein entwickelt sich wertvolles Holz ebenfalls durch langes, sorgfältiges Lagern zur endgültigen Reife. Frisch verarbeitetes Holz, das den notwendigen, langen Trocknungsprozeß nicht durchlaufen konnte, kann wie der junge Wein immer nur Mittelmaß sein; es genügt den Ansprüchen des Kenners nicht.So erklärt sich auch die lange Lagerzeit des Holzes von rund 4-6 Jahren in freier Natur. Den natürlichen Kräften der Umwelt, Hitze, Kälte und Wind ausgesetzt, vollzieht sich im Holz die notwendige Wandlung der Trocknung, ohne daß dabei die positiven Eigenschaften Schaden nehmen.
Die Natur zerstört nichts, sie verändert lediglich, und dies ist das eigentliche Geheimnis des Trocknungsprozesses. Welch eine genaue Kenntnis Kenner um diesen Vorgang haben, beweist unter anderem die Tatsache, daß Experten pro Zentimeter Holzstärke ein halbe Jahr Trockenzeit voraussetzen bevor sie über gute Qualität sprechen.
Jeder Versuch, den Zeitablauf dieses natürlichen Vorgang durch künstliche Eingriffe zu verkürzen (Trockenkammern), rächt sich bei oder spätestens nach der Verarbeitung mit Sicherheit.
Die Verarbeitung beginnt...
Die schon vorher, je nach späterer Bestimmung, auf ihre jeweilige Stärken zugeschnittenen Hölzer werden zusammengesetzt und verleimt. Das heißt, daß im Grunde genommen keine größeren Figuren aus einem kompletten Stück Holz geschnitzt werden.
Hätten Sie´s gewußt ?
Künstlerhände gestalten ....
Der "Holzblock", sofern es keine Sonderanfertigung oder Einzelstück ist, kommt zuerst in die Fräse, eine um es bildlich auszudrücken "Vorschnitzmaschine", die ihm allerdings nur die grobe Kontur der späteren Figur verleiht.Die Detailarbeit bleibt dem Künstler, dem Holzschnitzer..
..der die Figur nach der Originalvorlage in individueller Aussagekraft gestaltet. So ist jedes Stück, in oft wochenlanger Schnitzarbeit geschaffen, in des Wortes Bedeutung ein Unikat, den keines ist im schnitzerischen Detail Absolut gleich dem anderen.
Die Vollendung erfolgt
Nach alter Tradition in mannigfacher Form .......entweder durch das Beizen
welches dem Stück den gleichmäßigen, seidenschimmerden Braunton vermittelt. Die Holzfigur wird meistens mit Salmiak-Wachs-Beizen bemalt, je nach dem bis zu fünf verschiedene Beiztöne werden hier verwandt.
Eine gute Beizung muß den Charakter und die Farbe des Holzes mitwirken lassen und nicht etwa unterdrücken.
Da weiche Hölzer die Beize begieriger aufsaugen als Harte, so muß man vorsichtig sein, damit das Holz nicht zu nass und der Gegenstand nicht zu dunkel wird.
Da keine Grundierung die Maserung des Holzes verdeckt, kommt seine natürliche Schönheit voll zu Geltung.
...oder durch das "Fassen " und die sich daran anschließende Bemalung
Ob eine Figur nun gebeizt oder durch Bemalung dekorativ weiterbearbeitet wird, ist nicht, wie fälschlicherweise oft angenommen wird, eine Frage der Holzqualität. Denn Holzunregelmäßigkeiten sind natürlich, Beweis des Echten und wurden schon deshalb von Meistern längst vergangene Epochen nicht gezielt durch Bemalung überdeckt.
Bestimmend für die Art der Dekoration ist vielmehr die Art des Originals oder der Wunsch des Kunden. Ob bemalt oder gebeizt, eine Wertbestimmung aufgrund der verschiedenen Ausgestaltung läßt sich in keinem Fall verbindlich ableiten.
Oftmals ist eine schlicht gebeizte Figur teurer und wertvoller als ein vergleichsweise prächtig ausgemaltes Stück.
Kommen wir nun zum "Fassen, Vergolden und Bemalen:
Als Grundlage für die Handmalerei dient Leim-Kreide-Gemisch, welches auf die geschnitzte und aufgeraute Figur, je nach Oberflächenbeschaffenheit, bis zu achtmal aufgetragen werden muß.
Diese Grundierung ist sehr wesentlich für das nun anschließende Aufbringen. Zum Beispiel der Auflage in echtem 23,5 karätigem Blattgold, die manche Figuren erhalten oder aber für die Handbemalung.